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BeitragVerfasst: Di 9. Apr 2013, 23:16 
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Da in dem DA 15 Limited Lens Club von ein paar Leuten gefragt wurde, wie ich meine Sternenspuren-Fotos aufnehme und nachbearbeite, habe ich mich entschlossen, eine kleine Anleitung zu schreiben.

Bild
Datum: 2013-03-15
Uhrzeit: 23:36:48
Blende: F/4
Belichtungsdauer: 30s
Brennweite: 15mm
KB-Format entsprechend: 22mm
ISO: 800
Weissabgleich: Daylight
Blitz: Flash did not fire, compulsory flash mode
Kamera: Pentax, PENTAX K-7

Benötigte Ausrüstung
Kamera
stabiles Stativ
Kabelauslöser oder -timer
Kompass
eine sternenklare Nacht ;)

Location-Wahl
Für eindrucksvolle Bilder vom Sternenhimmel braucht man einen wirklich dunklen Ort - Städte sind hierfür ungeeignet. Vor allem die Straßenbeleuchtung sorgt für eine orange-gelbe Glocke aus Licht über Städten, durch die nur die hellsten Sterne zu sehen sind. Um so viele Sterne wie möglich abzulichten, sollte man also die Zivilisation so weit wie möglich hinter sich lassen.
Auch das Wetter muss mitspielen: ideal ist ein wolkenloser, klarer Himmel.
Es ist empfehlenswert, vor Einbruch der Dunkelheit an der Location einzutreffen. Die Komposition fällt wesentlich leichter, wenn man noch etwas durch den Sucher sieht.

Die Aufnahme
Für meine Sternenspuren nehme ich eine Serie von relativ 'kurzen' Belichtungen auf, die ich dann in der EBV zusammen füge. Diese Methode bietet zwei entscheidende Vorteile gegenüber einer einzigen, langen Belichtung: man kann die Aufnahme im Prinzip unendlich lange laufen lassen (in der Praxis bis der Akku leer oder die Speicherkarte voll ist) und man kann in der EBV störende Details wie Flugzeuge leicht entfernen.
Da ich mich nur mit der Pentax K7 auskenne, kann ich nur etwas zu den Einstellung bei dieser Kamera sagen. Vielleicht hat hier im Forum jemand Erfahrung mit anderen Pentax Kameras und kann ein paar Takte dazu sagen.
Um unnötigen Pausen zwischen den einzelnen Aufnahmen zu verhindern, muss die Rauschreduzierung bei langen Verschlusszeiten abzuschalten (Menüpunkt 18) abgeschaltet werden. Leider lässt sich bei der K7 die Rauschreduzierung nur für Verschlusszeiten kleiner gleich 30 sec abschalten. Somit steht auch die längste Verschlusszeit fest...
Damit auch die weniger hellen Sterne aufgenommen werden, sollte die Blende möglichst weit auf und der ISO-Wert möglichst hoch sein. Beim ISO Wert muss man etwas herumexperimentieren, bei welchem Wert noch annehmbare Ergebnisse herauskommen. Denn je höher der ISO Wert desto breiter und prominenter werden die Sternenspuren. Mit der K7 sind mit ISO 800 noch akzeptable Resultate möglich, bei der K5 ist wahrscheinlich noch mehr drin.
Für die Aufnahme verwende ich die Kamera im M-Modus und stelle die Belichtungszeit (30 sec) und Blende von Hand ein.
Nun geht's an die Komposition. Dazu sollte man sich klar machen, wie sich die Erde dreht und überlegen, wie die Sternenspuren aussehen sollen. Dann richtet man die Kamera mit Hilfe des Kompasses aus. Auch wenn der Blickfang in dem Bild nachher die Sternenspuren sein werden, sollte man auf einen spannenden Vordergrund acht. Um die Komposition zu 'testen', sollte nun eine Testaufnahme gemacht werden.
Für die eigentliche Aufnahme der Sternenspuren, stelle ich die Kamera auf Serienaufnahme und blockiere an dem Kabelauslöser den Knopf. Jetzt beginnt das Warten... Um schöne Sternenspuren zu bekommen sollte die Aufnahme mindestens 30 min laufen (länger ist besser).
Da man 30 sec Belichtungen aufnimmt, kann man sich Späße erlauben, wie sich bei einer Aufnahme ins Bild zu stellen und zu versuchen, 30 sec so still wie möglich zu stehen.

Bild
Datum: 2013-03-16
Uhrzeit: 00:43:01
Blende: F/4
Belichtungsdauer: 30s
Brennweite: 15mm
KB-Format entsprechend: 22mm
ISO: 800
Weissabgleich: Daylight
Blitz: Flash did not fire, compulsory flash mode
Kamera: Pentax, PENTAX K-7

Nachbearbeitung
Anmerkung: Ich habe die EBV bis jetzt nur mit der englischen Version von Adobe Photoshop CS5 auf MacOS X gemacht. Das Zusammenfügen der Bilder ist bestimmt auch mit Programmen wie GIMP möglich. Vielleicht hat ja jemand im Forum Erfahrung damit.

Ein Nachteil ist mit Sicherheit, dass man mit dieser Methode sehr große Datenmengen produziert, die eine aufwendige Nachbearbeitung erfordern. In Photoshop werden alle Aufnahmen als Ebenen übereinander gelegt und der Überblend-Modus 'Aufhellen' gewählt. In diesem Modus werden nur die Pixel in das endgültige Bild übernommen, die heller sind als die in der darunter liegende Ebene. Bei einer idealen Sternenspur-Aufnahme ändert sich nur die Position der Sterne, die Helligkeit des Himmels und des Vordergrundes bleibt gleich. Verwendet man also den 'Aufhellen' Modus, liefert eine Hintergrundebene den Vordergrund und Himmel, die Sterne werden jeweils aus den darüber liegenden Ebenen übernommen und es entstehen Sternenspuren. In der Realität verändern sich jedoch Himmel und Vordergrund permanent: Autos fahren vorbei, Flugzeuge durchkreuzen die Sternenspuren, Hausbeleuchtungen werden angeschaltet. Durch Ebenenmasken kann man verhindern, dass störende Details einer einzelnen Aufnahme in das Gesamtbild übernommen werden. Je nachdem wie viele Details entfernt werden müssen, kann da die Nachbearbeitung einer Serie schonmal ein paar Stunden in Anspruch nehmen.

Dabei gehe ich so vor, dass ich alle aufgenommenen RAW Dateien in Adobe Bridge markiere und in Camera RAW öffne. Hier mache ich nun die üblichen Einstellungen, wähle dann auf der linken Seite 'Select all' und 'Synchronize'; anschließend 'Done'. Nun sollte sich Camera RAW schließen. In Adobe Bridge sollten noch alle Dateien markiert sein. Über 'Tools > Photoshop > Load Files into Photoshop Layers' werden alle ausgewählte Dateien in Photoshop geladen und als Ebenen in einem einzigen Dokument verwendet. Wenn der Überblendmodus für alle Ebenen auf 'Lighten' bzw 'Aufhellen' gestellt ist, ist das Sternenspur-Bild im Prinzip fertig.
An dieser Stelle beginnt für mit das sehr zeitintensive 'Finetuning': Ich suche jede Ebene nach störenden Lichtquellen (Flugzeuge, Autos etc) ab. Habe ich ein störendes Detail gefunden, aktiviere ich für die entsprechende Ebene die Maske (Layers > Layer Masks > Reveal all). In der Maske kann man nun mit dem Pinsel und schwarzer Farbe die störende Lichtquelle 'übermalen' und somit entfernen. Dabei muss man aufpassen, dass man nicht aus Versehen Sterne entfernt und somit Löcher in die Sternenspuren reißt.
Einen Sternschnuppen-Effekt wie im Bild unten kann man erzeugen, in dem man die Deckkraft von Ebene zu Ebene schrittweise erhöht.
Ist man mit der Nachbearbeitung fertig, kann man mit dem Befehl 'Flatten Image' (Lagers > Flatten Image) das fertige Sternenspur-Bild erzeugen.

Bild
Datum: 2013-03-16
Uhrzeit: 01:38:46
Blende: F/4
Belichtungsdauer: 30s
Brennweite: 15mm
KB-Format entsprechend: 22mm
ISO: 800
Weissabgleich: Daylight
Blitz: Flash did not fire, compulsory flash mode
Kamera: Pentax, PENTAX K-7

Sollte noch was unklar sein oder unzureichend erklärt, lasst es mich bitte wissen ;)

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BeitragVerfasst: Di 16. Apr 2013, 16:19 
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Coole Idee und schönes Ergebnis :thumbup:


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BeitragVerfasst: Di 16. Apr 2013, 17:00 
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Ja supi Bilder
Grüßle Gerd


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BeitragVerfasst: Di 16. Apr 2013, 18:46 
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Danke für die Erklärung !

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wer gerne liest: Meine andere Leidenschaft
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BeitragVerfasst: Do 27. Jun 2013, 19:33 
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Beiträge: 10161
Wohnort: Umeå (Schweden)
Toll, danke! Das mach Lust darauf, es mal selbst zu probieren.

_________________
Liebe Grüße
Frank

Sprächen die Menschen nur von Dingen, von denen sie etwas verstehen, die Stille wäre unerträglich. (A. Einstein)
Das gilt wohl auch hier. ;)


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