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BeitragVerfasst: Mi 10. Apr 2019, 23:01 
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In den Jahren des deutsch-französischen Kriegs (1870-1871) erkannten die Militärs die Stärken der Eisenbahn beim Truppenaufmarsch an der Grenze zu Frankreich. Allerdings gab es auf der südlichsten Trasse von Deutschland, welche von Singen nach Basel verläuft, die Besonderheit, dass diese Trasse bei Schaffhausen durch Schweizer Hoheitsgebiet führt und der Endpunkt Basel Badischer Bahnhof ebenfalls auf Schweizer Terrain liegt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich die neutrale Schweiz ihre Grenzen schloss und ein Aufmarsch von Militär über diese Trasse nicht mehr möglich war. Aus diesem Grund fiel der Entschluss auf den Bau von drei strategischen Bahnen am Hochrhein:

1) Immendingen - Lauchringen (Wutachtalbahn oder besser bekannt als "Sauschwänzlebahn")
2) Säckingen - Schopfheim (Wehratalbahn)
3) Lörrach - Weil am Rhein

Während sich die Sauschwänzlebahn als Museumsbahn größter Beliebtheit erfreut, ist die Strecke Lörrach - Weil am Rhein in das heutige S-Bahn-Netz integriert. Einzig und alleine die Wehratalbahn ist seit vielen Jahren Geschichte, obwohl diese Bahnstrecke eine ganz besondere Bedeutung hatte und Geschichte geschrieben hat.

Denn die Wehratalbahn wurde zusammen mit der Wiesentalbahn (welche heute noch existiert) bereits im Jahr 1913 elektrifiziert und war somit die erste elektrisch betriebene Vollbahn in Baden. Dieser elektrische Betrieb bildete fast 40 Jahre lang (!) einen Inselbetrieb in Baden, denn die Elektrifizierung der Rheintaltrasse, ausgehend von Basel, erfolgte erst nach dem zweiten Weltkrieg im Jahr 1952.

Eingestellt wurde der Personenverkehr auf der Wehratalbahn bereits im Jahr 1971, die Oberleitung wurde 1977 demontiert. Somit war die Wehratalbahn die erste elektrische Eisenbahnlinie, auf welcher trotz dem fortschrittlichen elektrischen Betrieb der Personenverkehr eingestellt wurde. Der Güterverkehr hielt sich noch bis 1980, die Gesamtstilllegung der Strecke erfolgte dann im Jahr 1994.

Ausgefädelt wurde die Wehratalbahn aus der zweigleisigen Hochrheintrasse in Höhe von Wallbach, welches zirka in der Mitte zwischen Bad Säckingen und Wehr-Brennet liegt; die Weiche existiert sogar noch:

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.... die Trasse verschwindet aber sofort im Dickicht

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Endpunkt der Wehratalbahn war in (Bad) Säckingen, welcher heute lediglich ein Durchgangsbahnhof auf der Hochrheintrasse ist. Interessantes Detail: über die Elektrifizierung der Hochrheintrasse wird schon seit Jahrzehnten debattiert, bisher ohne Erfolg. Der Bahnhof Säckingen war der einzige Bahnhof der Hochrheintrasse, über welchem lange Jahre ein Fahrdraht eben wegen der Wehratalbahn hing. Der Bahnhof wurde leider in den letzten Jahren vollkommen umgestaltet und man erkennt ihn nicht mehr wieder. Lediglich ein einziger Oberleitungsmast, welcher wahrscheinlich schwierig zu demontieren war, ist heute noch stummer Zeuge dieser fortschrittlichen Epoche:

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Bild

Wer den Bahnhof Bad Säckingen im Oberleitungsbetrieb sehen möchte, dem seien diese Webseiten empfohlen: http://www.wehratalbahn.de/Elektr/Lok/E32/E32.1.htm

Wenn man sich weiter auf Spurensuche begibt, findet man noch zahlreiche Relikte dieser reizvollen Strecke. Da gibt es eine ganze Menge Brücken und Durchlässe ...

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Bild

... kilometerlange, teils gut getarnte Gleisreste bis Wehr ...

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... einen alten und vergessenen Reisezugwagen ...

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... und in Hasel führt die Strecke in den Fahrnauer Tunnel, welcher mit seinen knapp 3,2 km zur damaligen Zeit einer der längsten Tunnels in Deutschland war.

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Vor ein paar Jahren konnte man noch durch den Tunnel zu Fuß gehen, was allerdings nicht erlaubt war; heute ist er an beiden Seiten verschlossen.

Seit vielen Jahren gibt es immer mal wieder Berichte und Bestrebungen, die Wehratalbahn zu reaktivieren, allerdings wurde die Trasse an vielen Stellen überbaut. Ich besuche diese Strecke immer mal wieder und versuche mich dann in die Zeit zurückzuversetzen, als über diese schöne Strecke noch die Altbau-Eloks der Gattung A1, A2, A3 und später dann die E71, E32 und ET85 gerumpelt sind; zumindest die ersten drei Maschinen waren zu ihrer Zeit auf der Wehratalbahn das modernste was auf Schienen fuhr.

Das Wetter war heute grausam, dementsprechend sind die Bilder auch nicht wirklich gelungen. Aber hier soll der dokumentarische Aspekt im Vordergrund stehen. Wer mehr über die Wehratalbahn erfahren möchte, dem sei dieser überragende Link empfohlen: http://wehratalbahn.de/

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Grüße aus Rastatt

Marco


Zuletzt geändert von MMRastatt am Mi 10. Apr 2019, 23:28, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mi 10. Apr 2019, 23:05 
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Mist Wetter, vielleicht ein paar Höhen raus? Oder Sättigung a bissel hoch?

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LG
Ralf aka Alphonso III


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BeitragVerfasst: Mi 10. Apr 2019, 23:41 
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Hallo Marco

Soso...da bist Du aktuell fast vor meiner Haustüre und erzählst Geschichte, die ich so detailliert noch nicht kannte.
Danke.

Die gezeigten Bilder/Orte kenne ich, in dem vergessenen Reisezugwagen habe ich "vor Jahren" mal ein Bier getrunken, keine Ahnung ob das heute auch noch ne Kneipe ist.

ein Bild von der Eisenbahnbrücke, kurz vor dem Wehrer Bahnhof. (Foto by Corax 11.2017)
Links oben am Rand, hinter dem gelben Verkehrsschild, ist der ehem. Bahnhof zu erahnen.

_________________
Grüsse Klaus
Sharky


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BeitragVerfasst: Do 11. Apr 2019, 00:50 
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schöne Serie Marco danke fürs zeigen und die ausführliche Erklärung
LG Gerd


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BeitragVerfasst: Do 11. Apr 2019, 01:45 
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MMRastatt hat geschrieben:
... und in Hasel führt die Strecke in den Fahrnauer Tunnel, welcher mit seinen knapp 3,2 km zur damaligen Zeit einer der längsten Tunnels in Deutschland war.

Bild

Bild

Vor ein paar Jahren konnte man noch durch den Tunnel zu Fuß gehen, was allerdings nicht erlaubt war; heute ist er an beiden Seiten verschlossen.

Sehr interessanter Ausflug in meine nicht so ferne Umgebung - in der ich seit ich hier wohne aber noch nie gewesen bin.

Dennoch habe ich mit dem Bahnhof Hasel schon mal zu tun gehabt. Im Jahr 2000 haben wir von der Studentenvertrung meiner Hochschule dort mal ein "Arbeitswochende" abgehalten um unsere Aktivitäten für das nächste Semester zu planen.

Ich erinnere mich auch noch, dass einige der Kollegen mal einen "Erkundungsgang" in den Tunnel gemacht haben.

Als ich meinem besten Freund (gebürtiger Lörracher und inzwischen auch mein Chef) irgendwann mal davon erzählt habe, kam zurück: "Meine Frau war bei den Restaurationsarbeiten des alten Bahnhofs Projektleiterin" - wie sich die Kreise doch oft schließen ...

_________________
Gruß Udo

Diese Nachricht wurde mit einer Taschenlampe in das offene Ende eines Glaserfaserkabels gemorst.



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BeitragVerfasst: Do 11. Apr 2019, 03:41 
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Hallo Marco,

vielen Dank fürs Zeigen und Mitnehmen. Sehr interessante Dokumentation. :thumbup: :bravo:
Gern mehr... :dasisses:

_________________
Viele liebe Grüße
und bleibt hübsch gesund
Matthias


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BeitragVerfasst: Do 11. Apr 2019, 06:56 
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Moin Marco,
sehr interessante Doku. Ich kann gut nachvollziehen, dass man sich an manchen Stellen in alte Zeiten hineinversetzt.

_________________
Gruß
Carsten

Mehr von mir gibt es auf .....


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BeitragVerfasst: Do 11. Apr 2019, 07:19 
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_Sharky_ hat geschrieben:
Hallo Marco

Soso...da bist Du aktuell fast vor meiner Haustüre und erzählst Geschichte, die ich so detailliert noch nicht kannte.
Danke.

Die gezeigten Bilder/Orte kenne ich, in dem vergessenen Reisezugwagen habe ich "vor Jahren" mal ein Bier getrunken, keine Ahnung ob das heute auch noch ne Kneipe ist.

ein Bild von der Eisenbahnbrücke, kurz vor dem Wehrer Bahnhof. (Foto by Corax 11.2017)
Links oben am Rand, hinter dem gelben Verkehrsschild, ist der ehem. Bahnhof zu erahnen.


Genau so ist es. Nur den Eisenbahnwagen kenne ich nicht Bier habe ich aber schon mal getrunken :mrgreen: :cheers:

Als ich deine Bilder sah ist mir das Bild von Corax auch sofort in den Sinn gekommen.

_________________
LG
Diego

Wer als Anfänger die Gestaltungsregeln der Fotografie ignoriert, hat keinen Verstand. Wer sich aber fotolebenslang daran klammert, hat keine Phantasie.
– Detlev Motz –


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BeitragVerfasst: Do 11. Apr 2019, 09:23 
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Alles Liebe aus Aachen

Walter

Kritik ist erwünscht, auch negative (solange Sie konstruktiv ist) nur so kann man lernen! :2thumbs:
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BeitragVerfasst: Do 11. Apr 2019, 20:27 
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Beiträge: 8990
Wohnort: Oschatz/Sachsen
Sehr interessante Dokumentation :2thumbs:
Und ein Dankeschön für die Recherche über die Historie :ja:

_________________
Liebe Grüße aus Sachsen

Steffen :wink:

Meine Ausrüstung: K-3, DA 18-135/1:3.5-5.6, DA* 50-135/F2.8, SMC FA 35/F2.0 AL, HD-DA 70/2.4 Limited, DA 16-45mm/4 ED AL und dieses Forum :thumbup:


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