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BeitragVerfasst: Mi 13. Okt 2021, 10:56 
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pixiac hat geschrieben:
... ich hoffe, das Bild geht nicht zu sehr in Richtung eines schwülstigen Heldenepos....

Hi, ich muss gestehen das ich ein ziemlich konkretes Bild vor Augen habe, was in Richtung Heldenepos geht und ich vor gar nicht so langer Zeit erst gesehen habe, eine weibliche "Heldin" die aussah als ob sie die letzte Schlacht vom "Der Herr der Ringe" ganz alleine bestritten hätte.
Das Problem ist nur, ich weiß partout nicht mehr wo das war, vielleicht stoße ich ja nochmal drauf, dann würde ich es hier ergänzen.

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Matthias

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BeitragVerfasst: Mi 13. Okt 2021, 11:01 
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DeFuFroschn hat geschrieben:
Wo isses denn?


Das hatte ich mit Absicht nicht genannt. Es hätte Euren Blick und Eure Gedanken sofort thematisch total verengt.
Aber ich will das jetzt mal auflösen, weil der Frank den richtigen Gedanken hatte.

Der erste und zugleich wichtigste Kampf, den JEDER mehr oder weniger schwer auszukämpfen hat, ist der Weg ins eigene Leben; die Geburt.
Und angeregt hat mich jetzt natürlich .
Die Bilder, die er präsentiert, sind aber eben auch wieder "nur" die recht üblichen Neugeborenen-Bilder. Als "Geburtsbilder" würde ich sie nicht bezeichnen.

Zunächst noch einmal - bevor es möglicherweise missverständlich aufgefasst wird - spreche ich dem Guido auch hier nochmal meinen herzlichen Glückwunsch aus.
Und ich weiß, dass man einen solchen Moment auch als Großeltern - leibliche oder nicht, ist da auch oft egal - sehr intensiv und emotional erleben kann. Meine
Mutter war auch ganz gerührt und ergriffen, als ich ihr endlich als Sohn, der schon Anfang seiner 50er war - ihren ersten Enkel präsentieren konnte. Sie hatte
Es vermutlich schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt.

Ich habe zu diesen Neugeborenen-Bildern von Babys, zu denen man selbst keine persönliche Beziehung hat, aber auch ein recht ambivalentes Verhältnis und
will das auch mal begründen.

In etlichen anderen Fotoforen, in denen ich schon Mitglied bin oder war, gab es früher oder später die Bitte, sich mit dem Posten von Bilder des eigenen,
neu geborenen Nachwuchses möglichst etwas zurück zu halten. Jeder kann sicher die Freunde und die emotionale Ergriffenheit der frisch gebackenen Eltern
nachvollziehen; zumindest jeder, der das schon selbst durchlebt hat. Wie auch ich selbst. Und es auch nach zu vollziehen, dass diese frisch gebackenen Eltern
ihr Glück auch gern mit anderen teilen. Und völlig klar ist auch, dass das eigene (Enkel-)Kind immer das süßeste und hübscheste Baby auf der Welt ist.
Das muss auch genau so sein. Die Natur hat dafür aus gutem Grund gewisse Hormone erfunden, die genau dieses Gefühl auslösen sollen.

Aber für den nicht persönlich mit dem abgebildeten Baby involvierten Betrachter haben die Bilder eher selten einen Reiz. Weil eben der emotionale Bezug
zu diesem einen abgebildeten Baby fehlt. Für den unbeteiligten Betrachter sehen (fast) alle Babys - abgesehen mal von Haar- oder Hautfarben usw.- irgendwie
gleich aus. Oft haben sie diesen etwas gnatzig wirkenden Babyblick. Meist schlafen sie auch, weil das i.d.R. der Moment ist, in dem man von den ganz neu
geborenen die Babyfotos macht, weil sie sonst möglicherweise irritiert und genervt reagieren und dann natürlich auch anfangen, zu schreien.

Wenn man als Vater dann auf dem Flur einer Geburtsstation steht, weil man mal aus irgend einem Grund gerade nicht bei der Frau dabei sein kann.
Es findet eine ärztliche Untersuchung statt. Oder manch eine Frau kommt eben doch nicht damit klar, dass der Vater die Geburt persönlich und hautnah
begleitet, oder die Geburt läuft nicht glatt und das Kind kommt per Kaiserschnitt zur Welt, dann kommt man dieser Fotowand vorbei, an der diese
unzähligen Neugeborenenfotos hängen, die die Eltern dieser Kinder aus Dankbarkeit und Freude dann dem Personal schenken. Und dann stehen da
ganzen Namen drunter. Nicht selten auch ziemlich gruselige Doppelnamen mit Bindestrichen. Oder Namen, bei denen man sich fragt, ob dieses Kind
nicht mit 18 seine Eltern auf Schmerzensgeld verklagen wird wegen der Namensgebung. :ugly:

Und noch schlimmer finde ich im Prinzip diese Stil, der sich irgendwann mal herausgebildet hat, wo professionelle Fotografen, meist sind es Fotografinnen,
das sauber geleckte, ins reinster Bekleidung eingehüllte Baby in einen Weidenkorb, einen Zinkeiner oder eine Holzkiste zusammen mit etwas Stroh oder Holzwolle,
mit einem Strickmützchen aufgesetzt und einen Plüschhäschen daneben. Präsentiert wie ein Osterei oder eine Weihachtsdekoration.

Ich kann mit dieser Art von Bildern einfach kaum etwas anfangen. Und mir war des auch nie danach, solche Fotos wirklich machen zu wollen. Keines dieser
Bilder kann auch nur andeutungsweise vermitteln, was dieser kleine Mensch - und auch seine, ihn gebärende Mutter - bei dieser Geburt an Qualen, Ängsten,
usw. durchlitten haben. Gerade von uns Männern wären wohl nur wenige in der Lage, diese Schmerzen und Qualen, die ein gebärende Mutter erleidet,
selbst durchzustehen.

Die Kinder, die z.B. per Kaiserschnitt zur Welt kommen, machen das nicht so in dieser Härte durch. Ich bezeichne das immer etwas salopp, so als ein "Sich-durch-
die-Hintertür-hinausschleichen". Unser Erstgeborener kam auch durch Kaiserschnitt zur Welt. Mehr als zwölf Stunden hat meine Frau gekämpft, ihn auf
natürlichem Weg zur Welt zu bringen. Er lang während der gesamten Schwangerschaft eigentlich schon goldrichtig mit dem Kopf nach unten. Die Hebamme
war sich die ganze Zeit sicher, er würde eine eher einfache Geburt haben, wenn er so liegen bleiben würde. Letztendlich konnte er aber diese entscheidende
letzte Bewegung, den Kopf einzudrehen und nach hinten zu bringen, um durch in den Geburtskanal zu gelangen, nicht vollführen. Und so musst er per
Kaiserschnitt zur Welt gebracht werden.

Damals sagte mir dann eine Stationsschwester, oder Hebamme am nächsten Morgen in etwa: "Sie sind sich vermutlich gar nicht darüber bewusst,
was das für eine hochdramatische Situation war. Vor rund 200 Jahren wurde der Kaiserschnitt erfunden. Bevor es den gab, wäre ihr Kind im Mutterleib
gestorben, wenn es nicht von allein herausgekommen wäre. Und nicht selten sind dann auch die Mütter gestorben, aufgrund der Verletzungen, die ihnen
zugefügt wurden bei dem Versuch, das tote Kind im Mutterleib zu zerstückeln um es heraus zu holen."


Und als ich so darüber nachdachte, kamen mir eben auch diese Gedanken:
DAS ist dein erster und zugleich wichtigster und oftmals auch härtester Kampf, den Du als Mensch durchzustehen hast. Die Option, ihn zu verlieren,
gibt es dabei nicht. Du kannst dich nicht einfach nochmal hinten in der Reihe anstellen und es erneut versuchen; morgen oder nächste Woche. Entweder du
gewinnst diesen Kampf jetzt, oder dein Leben endet, bevor es wirklich richtig begonnen hat. Das ist in vielen Regionen der Welt, in denen die medizinische
Versorgung nicht ansatzweise so dicht und so gut ist, wie hier in Mitteleuropa, auch heute noch oft genug der Fall.

Und diese ganze Dramatik, die man eben wirklich mit diesem, von mir eingangs beschriebenen erbitterten Kampf bis aufs Blut um das eigene, nackt Überleben
vergleichen kann, wird in keinem dieser Bilder, die wir dann nachher von den Babys sehen, wenn sie sie sich davon erholen konnten, sich ihre Hautfarbe
von ganz lila zum normalen babyrosa verändert h, und wenn sie von den Eltern und/oder dem/der Fotografen/Fotografin für die Neugeborenenfotos herausgeputzt
werden, sehen oder erahnen können.

Der Kaiserschnitt, mit dem mein Sohn zur Welt gebracht wurde, fand abends um 22 Uhr statt. Ich war an der Seite meiner Frau am Kopfende. Wenn ein Kind
per Kaiserschnitt zur Welt kommt, wird es schon im OP abgerieben und etwas gewaschen, weil man der Mutter kein vollgeblutetes Kind unters Kinn legen will.
Die Spuren der (normalen) Geburt, die Käseschmiere usw. sind dann schon weitgehend weg, wenn man als Vater sein Kind von der Schwester in den Arm
gelegt bekommt. Ich habe meinen Sohn dann in einer Ecke des OPs stehend, gehalten, bis meine Frau zugenäht war und gereinigt aus dem OP ins Zimmer
gefahren wurde. Und ich habe dann in der Nacht um zwei Uhr, selbst schon völlig erschöpft von der Anspannung, die ich den ganzen Tag mit mir herumgetragen
habe - der Schädel brummte mir, als hätte ich einen Riesenkater von einem Saufgelage - ein paar erste Bilder von ihm - allein und zusammen mit meiner Frau -
gemacht. Fotos mit fotografischem Anspruch sind mir da auch nicht mehr gelungen.. Ich habe nur eins davon ausgewählt, um es auch anderen zu zeigen.

Ich zeige es auch hier mal. Aber es noch nicht Foto, auf das ich eigentlich hinaus will.


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Zuletzt geändert von lab61 am Mi 13. Okt 2021, 17:30, insgesamt 4-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mi 13. Okt 2021, 11:06 
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Registriert: Di 15. Aug 2017, 17:52
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BluePentax hat geschrieben:
pixiac hat geschrieben:
... ich hoffe, das Bild geht nicht zu sehr in Richtung eines schwülstigen Heldenepos....

Hi, ich muss gestehen das ich ein ziemlich konkretes Bild vor Augen habe, was in Richtung Heldenepos geht und ich vor gar nicht so langer Zeit erst gesehen habe, eine weibliche "Heldin" die aussah als ob sie die letzte Schlacht vom "Der Herr der Ringe" ganz alleine bestritten hätte.
Das Problem ist nur, ich weiß partout nicht mehr wo das war, vielleicht stoße ich ja nochmal drauf, dann würde ich es hier ergänzen.


Wenn Du es gefunden hast, dann zeig es ruhig. Ich will es nicht auf das gerade aufgelöste Thema verengen. Es geht mir um Bilder, die einen solchen Kampf,
wo auch immer er stattfand und unter welchem Umständen auch immer, in einem Bild so dokumentieren, dass man als Betrachter meint, es nachempfinden zu können.
Und noch besser natürlich, wenn Euch selbst schon einmal ein Foto gelungen ist, von dem Ihr meint, dass es all das so transportiert, dass es auch bei einem
unbeteiligten Betrachter ankommt.


Eine Tag später habe ich dann ein Stativ, einen Systemblitz und eine kleinen Lichtformer mitgebracht, um dieses Bild von meinen Sohn zu machen.
Aber auch das ist noch nicht das Foto, um das es mir eigentlich geht:


Datum: 2014-06-03
Uhrzeit: 09:06:11
Blende: F/7.1
Belichtungsdauer: 1/80s
Brennweite: 85mm
KB-Format entsprechend: 127mm
ISO: 100
Weissabgleich: Auto
Blitz: Flash did not fire, compulsory flash mode
Kamera: Pentax, PENTAX K-5 II

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BeitragVerfasst: Mi 13. Okt 2021, 11:19 
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Schöne Idee, zeitlich sehr gut passend zu Guidos Thread und glücklicherweise kein Fettnäpfchen für mich! :)

Ich freue mich auf das Bild des kleinen Kämpfers der kleinen Kämpferin! *EDIT nach Auflösung.*

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LG Frank

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BeitragVerfasst: Mi 13. Okt 2021, 11:28 
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Wohnort: Lappersdorf/Regensburg
Diese Situationen kenne ich bestens. Unser Sohn kam vor fast vier Jahren auch per Zwangsräumung zur Welt. Es war auch etwas dramatisch, weil die Nabelschnur zig mal um den Kopf gewickelt war, aber zum Glück keine Schäden verursacht hat.
Unsere Tochter kam letztes Jahr auf natürlich Wege. Das ist aber eine andere Hausnummer. Als Mann kann man die Schmerzen wohl nicht ansatzweise nachvollziehen. Und obwohl ich nach knapp sieben Stunden auch fertig war, ist das nichts gegen das was meine Frau durchmachen musste.

Das posten der Bilder vom eigenen Nachwuch mache uch nicht, zumindest nicht vom Nuegeborenen. Spätere habe ich auch schon gepostet, aber nur sporadisch.

Diese Körbchen-Decke-Mütze Bilder von Babys finde ich auch so lächerlich, aber jeder wie er mag. Ich kenne auch einige Fotografinnen *außen (soll man jetz hier anders rum gendern, denn Herren kenne ich in diesem Sujet nicht :mrgreen: ), die sich sowas von auf Ihre Werke einbilden.... :motz: :klatsch:

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LG Markus

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BeitragVerfasst: Mi 13. Okt 2021, 11:31 
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Ende September 2014 war es dann soweit, dass meine Tochter zur Welt kommen sollte.
Wir hatten uns wieder für die gleiche Geburtsstation entschieden. Sie hat in Berlin einen nahezu legendären Ruf,
weil man sich dort alle Mühe gibt, das Klinische an einer normalen Geburtsstation soweit es nur geht, auszublenden.
Fast so, als hätte man sich für eine Geburt in einem sog. Geburtshaus entschieden. Aber man eben trotzdem
alle technischen Notwendigkeiten, die es benötigt, um als Geburtsstation zugelassen zu werden, einschließlich
OP für Kaiserschnittgeburten, einschließlich Inkubator, usw. in der Hinterhand.

Die Räume sind viel angenehmer hergerichtet. Viel Holztöne. Es wird dort die sog. "hebammengeführte Geburt"
durchgeführt. Das heisst, dass die Heabammen die geburt verantwortlich leiten, und erst dann ein Arzt hinzukommt,
wen irgend etwas nicht so läuft, wie es soll, und die Hebammen meinen, die Unterstützung eines Arztes zu benötigen.

In einer normalen Geburtsklinik ist das nämlich anders. Da wandern die Stationsärzte oftmals zwischen den Geburtsräumen
hin und her. Und die Vorschrift ist die, dass sobald ein Arzt das Zimmer betritt, die Verantwortung von der Hebamme sofort
auf ihn übergeht. Die Hebamme(n) ist/sind dann nur noch Erfülliungsgehilfin(nen).

Man bemüht sich dort auch, so lange es möglich ist, eine wirklich normale, natürlich Geburt durchzuführen. In den meisten anderen
Kliniken wird viel schneller abgebrochen und ein Kaiserschnitt angeordnet. Diese Klinik hat die mit Abstand niedrigste Kaiserschnittquote
in ganz Berlin. Und ganz sicher gehen dort auch kaum Frauen hin, die sich schon von Vornherein entschlossen haben, ihr Kind per
Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, weil sie sich den Kampf der natürlichen Geburt nicht zutrauen oder nicht zumuten wollen. Das gibt
es leider auch immer öfter. Dem Kind entgeht aber etwas, wenn es nicht den normalen Geburtsweg durch den Geburtskanal geht.
Das kann später auch medizinische Folgen haben. Anton hatte eine solche. die wir erst im Alter von fünf Jahren bemerkten und dann
aber zum Glück auch behoben bekamen.

Bei unserer Tochter Anna sollte es dann anders werden, Es sollte natürlich ablaufen. Hofften wir jedenfalls.
Aber auch hier lief es über viele Stunden nicht rund. Auch Anna schaffte es einfach nicht, sich in den Geburtskanal zu drehen. Es kam
eine Ärztin und machte ein Ultraschall. Später bekam meine Frau dann auch noch diese berühmte PDA. Und trotzdem wollte es nicht klappen
und man war erneut dabei, dem OP für den Kaiserschnitt vorzubereiten.

Aber dann rief man eben die diensthabende Oberärztin, die das letztlich dann ohnehin zu entscheiden hätte. Und die kam dann.
Werd eich nie vergessen. Eine ziemlich kleine, rundliche Frau..so vom Typ Clementine aus der Ariel-Werbung. Nur eben mit viel ernsthafterem
und entschlossenerem Blick. An die 60 Jahre alt. Wie die Tür aufging, und diese Frau in den Raum trat, schob sie wie eine riesige unsichtbare
Welle ein unglaubliche Aura der Kompetenz und der Erfahrung vor sich her, die für mich geradezu physisch spürbar war. Und ich sagte nur zu meiner
Frau, die schon wieder neun Stunden dieses epischen Kampfes hinter sich hatte: "Jetzt wird alles gut."

Und so war es dann auch. Die Ärztin holte Anna mit der Saugglocke heraus. Und so, wie sie herauskam, wurde sie auch direkt meiner Frau auf die
Brust gelegt. Und so sah ich sie dann das erste Mal auch selbst. Und dann kamen mir diese Gedanken, die ich im Eingangsbeitrag ausgeführt habe:

Was hat dieses kleine Menschlein da gerade für eine Kampf ums nackte Überleben geführt?
Und wie intensiv kann man ihr das, so wie sie da liegt, auch ansehen. Mit dem brachialen Anblick des realen Lebens?
Und dann habe ich zur Kamera gegriffen und den Auslöser betätigt... und ein - wie ich immer noch meine - wirkliches Geburtsbild gemacht.


Und so sieht jemand aus, der diese Schlacht gerade geschlagen hat:

Bild

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Zuletzt geändert von lab61 am Mi 13. Okt 2021, 12:27, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mi 13. Okt 2021, 11:44 
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Das ist mit das eindringlichste Bild, das ich hier bisher gesehen habe Lutz, kein Zweifel!

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BeitragVerfasst: Mi 13. Okt 2021, 11:47 
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Gut. Ich habe natürlich auch meine ganz eigene, emotionale Bindung an diesen Moment und dieses Bild.

Aber ich habe dies Bild auch gezeigt. Und ich habe ganz starke Reaktionen auf dieses Bild erfahren. Ganz starke positive und ganz starke negative.
Und das wiederum hat mir gezeigt, dass mir dort vielleicht mein beeindruckesdes Bild, dass ich je gemacht habe und vielleicht je gemacht haben würde,
wenn ich meine Kameras mal endgültig weglegen werde(n muss).

Und ich fänd' es irre spannend, auch von anderen ähnlich intensive Bilder sehen zu können. Und dabei, das habe ich ja auch geschrieben, meine ich eben
nicht nur Bilder von Geburten. Sondern Bilder, die einen Menschen in einer wirklich existentiell dramatischen Situation zeigen. Oder eben kurz danach.
Und das meine ich nicht voyeuristisch. Sondern weil es mir um intensive bildliche Dokumente des Lebens schlechthin geht. Ich habe schon Reportagebilder
gesehen, von einem jungen Mann, der auf seinem Totenbett im Sterben lag... AIDS hatte ihn dorthin gebracht. Ich finde diese Bilder nicht. Ich habe sie
noch ganz klassisch analog - ich glaube, es war damals im SPIEGEL - gesehen. Und sie wären für mich ähnlich bewegend. Und schon damals habe ich
mich gefragt, wie ein Fotograf es in dem Moment schafft, ein solches Bild so einzufangen, dass eben nicht voyeuristisch und peinlich oder gar schon
erniedrigend für die dargestellte Person wirkt.

9/11 hat solche Bilder gezeigt.
Suchst mal nach dem Bild "The Falling Man".
Oder nach anderen Bildern dieses Ereignisses.
Auch nach dem Zugunglück von Eschede habe ich solche Bilder gesehen. Helfer, die von dem, was sie sehen mussten, so erschüttert waren, dass sie irgendwann
weinend am Rand des Geschehens saßen. Eingefangen von einem Fotografen, dem es eben auch gelang, nicht nur das Bild zu transportieren, sondern auch die ganze
Dramatik und Emotionalität, die dahintersteckte.

Solche Szenen spielen sich in kleinerem Kontext tagtäglich ab, ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nimmt. Trotzdem denke ich, sie gehörten auch mal festgehalten
und gezeigt. Und ich wäre sehr gespannt darauf, weitere Bilder sehen zu können, und die Geschichte dazu lesen zu können.

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Zuletzt geändert von lab61 am Mi 13. Okt 2021, 12:24, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mi 13. Okt 2021, 12:14 
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pixiac hat geschrieben:
Das ist mit das eindringlichste Bild, das ich hier bisher gesehen habe Lutz, kein Zweifel!


Vielen Dank, Frank.
Vielleicht waren die negativen Reaktionen auf dieses Bild ja auch der Tatsache geschuldet, dass die betreffenden Menschen dieses Bild ganz unvermittelt buchstäblich vorgeknallt bekamen.
Dass ich sie vorher nicht gedanklich angetriggert habe in der Form, wie ich das mit meinem Eingangsbeitrag mit Euch getan habe.

Ich habe das Bild zwei Wochen später ausbelichten lassen und eines auch gerahmt.
Mit einer großen Schachtel Pralinen habe ich mich noch einmal auf dem langen Weg an den äußersten, südwestlichen Stadtrand von Berlin, um nich dort bei dem Team
der Geburtsstation der Havelklinik zu bedanken. Die Pralinen waren für die Stationsmitarbeiterinnen. Zum Glück habe ich auf die Oberärztin, die Anna buchstäblich ins
Leben gezerrt hat, angetroffen und ihr dieses Bild geschenkt. Und ihre Reaktion war für mich auch ganz beeindruckend.

Sie hat in etwas folgendes gesagt: "Wissen Sie? Ich habe in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn mehr als 4.000 Menschlein ins Leben verholfen, bzw. deren Mütter
dabei als Ärztin begleitet und unterstützt. Ich habe sicher auch schon einige Hundert Fotos von Eltern, deren Kinder ich ins Leben verholfen habe, als Dankeschön und als
Erinnerung bekommen. Und man kann sich nach einiger Zeit gar nicht mehr an das einzelne, abgebildete Kind erinnern, weil alle Bilder irgendwie gleich sind.

So ein Bild aber habe ich wirklich noch von keiner der über 4.000 Eltern jemals geschenkt bekommen. Und es ich finde, dass es genau das zeigt, was sie mir dazu
gerade als ihre Gedanken geschildert haben, wie Sie als Vater das wahrgenommen haben, was sie in diesem Bild sehen. Ich selbst sehe gleichzeitig aber neben diesem
Kampf aber auch noch ganz viel Frieden in dem Bild.

Ich versichere Ihnen, dass dieses Bild bei mir ganz sicher nicht in einer Schublade oder einen Album bei den hunderten anderen landen wird. Dieses Bild wird bei mir
an prominenter Stelle in meinem Dienstzimmer, oder wahrscheinlich sogar bei mir zuhause einen solchen Platz finden, weil es auch meine Arbeit und wie ich sie
wahrnehme, so darstellt, wie kein anderes Bild, das ich bisher erhalten habe. Ich danke ihnen sehr dafür."


Diese Worte waren für mich als einfachen Knipser schon so etwas, wie ein Ritterschlag.

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Zuletzt geändert von lab61 am Mi 13. Okt 2021, 12:37, insgesamt 3-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mi 13. Okt 2021, 12:19 
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Registriert: Do 29. Dez 2016, 15:29
Beiträge: 847
Wohnort: Coesfeld
Ein sehr beeindruckendes Foto, welches bei mir eine grosse, schon intime Nähe zum Ereigniss auslöst und letztendlich doch ein Foto ist, das unheimlich viel Zuversicht und Zufriedenheit ausstrahlt.

Danke für diesen sehr privaten Einblick in dein Leben!

_________________
das Foto entsteht nicht in der Kamera sondern zwischen den Ohren
www.alois-lammering.de


Zuletzt geändert von aloislammering am Mi 13. Okt 2021, 12:55, insgesamt 1-mal geändert.

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