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BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2021, 13:15 
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Ich werde mal anhand dieses Portraits, das ich gerade in der Menschen-Galerie gezeigt habe,
schrittweise vorführen, wie ich dieses Bild bearbeitet habe.

Meine Bearbeitungen folgen dabei einer grundsätzlich recht ähnlichen Abfolge von Arbeitssschritten,
wobei diese - je nach Ausgangsmaterial und gewünschtem Endresultat - unterschiedlich aufwendig sein können
und auch mit unterschiedlichen, weiteren Bearbeitungsschritten ergänzt werden (können).

Dieses Foto und seine Bearbeitung habe ich jetzt einmal herausgepickt, weil es im Wesentlichen nur mit den
Grundschritten bearbeitet wurde, die eine Rohdatei bei mir eigentlich bei allen Beauty-Fotos durchläuft.


Bild

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Zuletzt geändert von lab61 am Mi 17. Nov 2021, 18:28, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2021, 13:29 
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Bitte, das wird jetzt mal echt interessant :2thumbs:

meint, der Ralf

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BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2021, 13:47 
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[Schritt 0] Das Rohbild.

Zunächst zeige ich mal das JPEG, wie es aus der Kamera kam. Wobei das JPEG ja eben auch schon kameraintern gewisse "Anpassungen" erfahren hat, die bei Pentax aber i.d.R. eher dezent gehalten sind. Pentax belässt die Rohbilder nahezu im Original.

Bild


Bei diesem Bild freut man sich als Fotograf/Bildbearbeiter, weil es eine sehr gute Ausgansbasis bildet, die nur
wenige und recht "dezente" Bearbeitungsschritte erfordert, um ein ansprechendes Endergebnis zu erzielen.
Die Belichtung ist ausgewogen gut. Es gibt keine überstrahlten Bereiche.

Was das Thema "Überstrahlen" oder "ausgebrannte Haut" betrifft, so ist das oft nicht allein eine Frage der
Lichtsetzung und der Blitzintensität an sich. Sondern dabei spielt auch das richtige MakeUp eine große Rolle.
Ein Bild kann in sich gesehen ausgewogen belichtet sein. Und trotzdem kommt es an einigen Hautbereichen
zu Überstrahlungen. Nun kann man sagen, dass man dann eben doch schwächer belichten sollte. Aber dann muss man viele andere Bildbereiche nachher oftmals mit größerem Aufwand in der Belichtung nachträglich raufziehen.

Grund für diese Überstrahlungen ist häufig feuchte und/oder fettige Haut. Haut sondert bei jedem Menschen mehr oder weniger Hautfett und Feuchte ab. Im Studio unter starkem (Blitz-)Licht wirken solche Bereiche schnell speckig. Dazu kommt durch die Raumwärme, die Anstrengung beim Posing und der Konzentration und dem teilweise stark wärmenden Einstellicht, sofern das noch alte Glühbirnentechnik ist, dass sich schnell auf einigen, dafür ohnehin exponierten Stellen, ein leichter Schweißfilm bildet. Fett und schweiß reflektieren das Blitzlicht ungemein stark und führen dann zu solchen Überstrahlungen.

Deshalb ist ein vernünftiges MakeUp vor dem Shooting sehr wichtig. Eines, mit dem die Haut im Wesentlichen
mattiert wird. Alles, was man sonst noch so unter "MakeUp" versteht (Liedschatten, Eye-Liner, Rouge, usw.) sind Zugaben, die schon eher zum Styling gehören. Natürlich glättet das Basis-MakeUp auch die Haut schon ein Wenig und verdeckt leichte Hautunreinheiten, kleinere Pickel und Hautrötungen. Alles Dinge, die ein Model,
auch männliche, gerne auf ihren Fotos sehen. Und nicht nur Models. Deshalb schminken sich viele Frauen eben
auch, bevor sie aus dem Haus gehen.

Dem Fotografen hilft das ungemein, Arbeitszeit zu sparen, weil eben die Überstrahlungen reduziert oder gänzlich verhindert werden, und er es bei der Hautretusche (etwas( einfacher hat.

Wichtig ist es auch, während des Shootings immer wieder auf die Bilder zu schauen, und darauf zu achten, ob sich neue Bereiche, die überstrahlen oder zu überstrahlen drohen, bilden. Denn der Schweiß bildet sich unter dem MakeUp natürlich permanent nach. Und ein Blitz "knallt" so dermaßen durch das MakeUp hindurch, dass die sich darunter bildende Feuchtigkeit das Blitzlicht durch das MakeUp hindurch wieder reflektiert.

Man kann natürlich auch sagen: "Solange das nicht so schlimm ist, dass die Haut auf dem Bild ausbrennt, kann man das in Photoshop nachher wieder korrigieren." Technisch gesehen sicher richtig. Aber vom Arbeitsaufwand her, ist es deutlich einfacher, eine kurze Pause zum Nachmattieren zu machen, als nachher bei zig Bildern mit dem Nachbelichter die Stellen wieder "einzufangen". Man kann ebenso auch auf der Kleidung des Models etliche sichtbare Fusseln ignorieren und sie nachher alle in PS wegstempeln oder mit dem Reparaturwerkzeug entfernen. Aber ich sage Euch: Sie gleich vor dem Auslösen auf der Kleidung zu entfernen, ist deutlich weniger zeitaufwändig.

Man kann auch verdrehte BH-Träger, fliegende Haare im Gesicht, Aus der Kleidung heraushängende Wäscheetiketten und vieles mehr in Photoshop wegretuschieren. Aber ich rate Euch: Schaut beim Shooting genauer hin und korrigiert das gleich da. Denn Spaß macht diese völlig unnötige Retuschearbeit nämlich nicht.


Zurück zum Bild:
Eine gute Ausgangsbasis, weil Anicha eine sehr schöne, reine Haut hat. Und weil sie es als erfahrenes Model und schönheitsbewusste Frau auch versteht, sich gut zu schminken.
Wenn Ihr für ein Shooting eine Visagistin bucht, solltet ihr Euch vergewissern, dass sie entsprechende Erfahrung mit dunkelhäutigen Models hat. Diese sind i.d.R. schwieriger zu schminken, weil dunkelhäutig nicht
gleich dunkelhäutig ist. Es gibt von dunkler Haut so viele unterschiedliche Nuancen, die es zu beachten gilt, und für die ein(e) Visagist(in) auch sehr unterschiedlich getönte Concealer und Finisher braucht. Das ist nicht in jedem Visagistenkoffer in gleichem Maße zu finden. Bittet dunkelhäutige Models am besten, ihre eigenen Concealer, Finisher rund Puder mitzubringen. Meist haben die schon gut ausprobiert, welche Produkte und Tönungen zu ihrer Hauttönung am Besten passen.

Wichtig ist: Es gibt ja den Spruch "Viel hilft viel." Der in den meisten Fällen so nicht stimmt.
Mir fallen jetzt aber zwei Fälle ein, wo es zutrifft:
1.: Beim Holzleim. Da hilft viel eben auch viel. :mrgreen:
2.: Beim MakeUp für Film und Foto.
Eben wegen der starken Lichter. Deshalb sitzen auch Interview- und Talkshowgäste vor dem Auftritt in der Maske und werden da abmattiert. Und eben auch, weil man da so nah mit der Kamera rangeht, wie man das im normalen Leben bei nur wenigen Menschen tut. Je näher man dran ist, und je unbeweglicher die Person dabei ist, desto mehr sieht man, was man eben nicht sehen sollte oder möchte.

Beim MakeUp unterscheidet man zwischen tages-MakeUp und Abend-MakeUp.
Tages-MakeUp ist ein eher dezentes. Das tageslicht wirkt i.d.R. wie eine große Softbox, die das Objekt recht weich macht. Es bilden sich wenig störende Schatten durch Unreinheiten/Unebenheiten.

Ein Abend-MakeUp ist stärker. Weil abend bei gewissen Anlässen eben auch starkes Licht auftritt, welches Unreinheiten und Unebenheiten stärer sichtbar macht.

Fürs Studio-Shooting nimmt man also ein Abend-MakeUp. Und legt dann noch eine Schippe oben drauf. :mrgreen:

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BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2021, 14:04 
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[Schritt 1] Entwicklung des Rohbildes in ACR (oder Lightroom)

Als nächstes wird das Rohbild - ich lege die Bilder in der Kamera im DNG-Format ab, weil es damit keine Kompatibilitätsprobleme mit den unterschiedlichen Versionen von Photoshop oder anderer Bildbearbeitungssoftware gibt - entwickelt. Ich mache das i.d.R. in Adobe Camera Raw, weil ich ohnehin jedes Bild einzeln anfassen muss. Lightroom ist eigentlich nichts anderes, als ein aufgeblasenen ACR. Eben angereichert mit
Bildverwaltungsfunktionen und einigen Features, die man sost eben auch in Photoshop findet.

In diesem Fall habe ich das Rohbild sogar beim Entwickeln verschlimmbessert. Denn man sieht, dass es einiges
an Rottönen verloren hat, die ich nachher im späteren Verlauf der Bearbeitung wieder eingebracht habe. In dem Falle aber nicht mir mehr Arbeitsaufwand. Sondern es hat sich durch nachfolgende Bearbeitungsschritte als Nebeneffekt ergeben. Mit anderen Worten: Ich hätte am Ende womöglich zu starke Rottöne gehabt, und hätte die gesondert reduzieren müssen. Also nochmal Glück gehabt.

ich gebe hier aber trotzdem mal die Werte ein, die ich in ACR für das Bild eingestellt habe:
Meist ändere ich im ACR nur etwas in dem Bereich Grundeinstellungen.

Farbtemperatur: 5250 Kelvin.
Das ist so i.d.R. meine Standard-Farbtemperatur. Die gefällt mir eigentlich meist ganz gut.
Natürlich gehe ich auch davon ab, wenn mir ein Bild in dieser Farbtemperatur von Vornherein nicht gefallen will. Wenn man aber noch garnicht so genau weiß,
wohin die Reise in Photoshop für das Bild gehen soll, sollte man bei der Entwicklung eher eine recht neutrale Farbtemperatur wählen. Später in Photoshop
kann man das alles noch variieren; auch wenn man den Bildstil nachträglich nochmal ändern will. Hat man es aber schon als Basismaterial eher extremer
entwickelt, bekommt man das eben in Photoshop nur mit ungleich höherem Aufwand wieder korrigiert.

Farbton: +15
Auch den mache ich lieber eher neutral und ausgewogen. as dasgenau bedeutet, ist aber auch oft abhängig von der Tagesstimmung: :mrgreen:

Schwarz: +15
Das hat die Schwarztöne gut verstärkrt. die waren im Rohbild etwas blass.

Helligkeit: +50
Hätte ich vielleicht auch die Belichtung hochziehen können. Wie gesagt: Ich habe mich damals noch deutlich mehr irgendwie durchgewurschtelt;
und mache das auch heute noch sehr viel. Ich wäre froh, wenn ich mhr zeit hätte, mir selbst einen effektiveren und konsistenteren Worklflow
anzutrainieren.

Kontrast: +55
Meist sind bei mir +25 voreingestellt. Heute würde ich den Kontrast auch eher später in Photoshop erhöhen.
Einfach, weil das für den Workflow günstiger ist. Aber in ACR finde ich die Ergebnisse irgendwie besser.

Klarheit: +35
Hier habe ich mittlerweile als Quasi-Standard +25 voreingestellt.

Bild

Man kann in ACR natürlich auch gleich etwas schiefe Bilder zurechtdrehen. Ich finde aber, dass sich das in PS besser macht. Das mache ich dann gleich nach dem Import.
Objektivkorrekturen braucht es bei People-Fotografie meist nicht. Das ist eher was für Landschaften, Architektur usw. Bei den Brennweiten die man für People-Fotografie
verwendet, kommen auch nur sehr leichte bis gar eine Objektivverzerrungen vor. Es sei den, man benutzt mal für eine außergewöhnliche Aufnahme ein Ultraweitwinkel.
Da fallen mir z.B. Fetischaufnahmen ein, bei denen man ein Model, welches bevorzugt in Leder, Lack oder Latex gekleidet ist, von unten vom Fuß her mit dem UWW ablichtet.
Wie gesagt: Eher eine Nischenanwendung.

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Zuletzt geändert von lab61 am Mi 17. Nov 2021, 14:25, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2021, 14:08 
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[Schritt 2] Auto-Korrekturen

Zunächst lasse ich mir von Photoshop durch die Auto-Korrekturfunktionen (Auto-Kontrast, Auto-Farbe, Auto-Farbton) mal "vorschlagen";
was das Programm am Bild ändern würde. Ich entscheide am Ergebnis der "Vorschläge" dann, ob ich sie belasse oder nicht. Also für
jeden Auto-Korrekturvorgang einzeln.

In diesem Fall habe ich zwar Autokorrekturen belassen. Sie sind aber optisch so minimal, dass sie sich kaum erkennen lassen. Ich vermute mal;
dass sie dann auch hier kaum auszumachen sind. Deshalb lade ich das Bild aus diesem Schritt einfach mal nicht hoch. ;)

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BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2021, 14:11 
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Hier bleibe ich auch sehr interessiert dabei. Danke für deine Mühe, uns zu zeigen, wie du vorgehst.

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Maik




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BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2021, 14:31 
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[Schritt 3] Hintergrund-Retusche

Wenn ich nicht direkt nach dem Import noch globale Korrekturen (Beschnitt, Formatänderungen, leichte Bilddrehungen, usw) vornehme,
mache ich bei Studio-Bildern als erstes immer eine Retusche des Hintergrundes. Das heisst, ich entferne auf dem Papierhintergrund
Falten, Krümel, Trittspuren, Flecken usw. Auch unschöne Vignettierungen nehme ich da gleich raus. Meist treten die ja nicht an allen
Ecken gleichermaßen auf. Und wenn man sie nicht durch die Objektivkorrektur schon in der Entwicklung wegbekommt, entfernt man die
am besten gleich am Anfang, damit sie sich nicht durch weitere, globale Bearbeitungsschritte noch weiter verschlimmern. Möchte man
nachher eine Vignette im Bild haben, ist es besser, man fügt die später ganz kontrolliert ein. Ich verwende aber manches Mal auch schon
beim Shooting direkt einen Spot-Aufsatz, der eine recht stark abgegrenzte Vignette erzeugt. Das ist aber etwas anderes. Das Licht
macht dann auch eine ganz andere Stimmung im Bild. Da weiß ich dann also schon von Vorherein, dass eine solche Vignette/ein Spot
ein wichtiger Teil der Bildkomposition sein wird.

In diesem Bild gab es keine auffallenden Vignettierungen. Und deshalb gleich weiter zum nächsten Schritt.

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Zuletzt geändert von lab61 am Mi 17. Nov 2021, 14:59, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2021, 14:55 
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[Schritt 4] Basis-Retusche

Die sog. Basis-Retusche mache ich auch gleich, bevor ich weitere Bearbeitungsschritte am Model selbst durchführe.
Die Basis-Retusche ist die wichtigste Grundlage, um nachher weiter gut mit dem Hautbild arbeiten zu können.

Die Basis-Retusche betrifft also im Wesentlichen die Haut.
Hier werden jetzt alle möglichen Hautunreinheiten, Pickel, Narben, Fältchen usw. entfernt. Aber auch zum Teil im Gesicht
herumfliegende Haare.

An diesem Bild hatte ich kaum Hautunreinheiten zu entfernen. Dafür möchte ich ein Model immer am liebsten Küssen.
Nicht, dass man das mit Anicha nicht ohnehin gern tun würde. Aber die Zeitersparnis ist enorm. Und die Hautretusche
hat mich gerade in früheren Jahren sehr viel Zeit und Mühe gekostet und tut es auch heute noch oft.

Die für die Retusche verwendeten Werkzeuge sind
- Bereichsreparatur-Pinsel
- Reparatur-Pinsel
- Ausbessern-Werkzeug
- Kopierstempel

Alle genannten Werkzeuge haben ihre individuellen Vor- und Nachteile. Je nach Art der "Reparatur" die man vornehmen möchte,
ist mal das eine, und mal das andere Werkzeug besser geeignet. Das muss man ausprobieren. Hinzu kommt offenbar auch eine
gewisse individuelle Vorliebe. Der eine kann besser mit dem einen Werkzeug, der andere eher mit einem anderen der genannten Werkzeuge.
Nehmt euch einfach mal irgend ein Foto aus euren Sammlungen, auf denen eine Person abgelichtet ist, und probiert mit den Werkzeugen
etwas aus, was die so bewirken. Wichtig ist, dass man am Ende eben nicht sieht, dass da was im Bild (weg)gemacht wurde.


Wichtig zu wissen ist es, dass alle diese Werkzeuge nonreversibel sind. Sie verändern das Bild auf Pixelebene, was nur so lange wieder
rückgängig zu machen ist, solange die Datei noch geöffnet ist, und die betreffenden Schritte noch im Protokoll angezeigt werden.
In darüber liegen Ebenen kommt man dann nicht mehr dran. Auch wenn man Maskenebenen verwendet, lässt sich ein unsauber ausgeführter
Schritt kaum wieder rückgängig machen. Man muss dann später eben nochmal eine Nachretusche/Feinretusche machen, in der man den
eigenen Bearbeitungsfehler hoffentlich wieder rausbekommt. Oftmals treten solche unsauberen Schritte dann aber auch erst nach der
späteren Verwendung von globalen Filtern, die auch Schärfe und Kontraste verändern, sichtbar zutage. Deshalb ist es sehr wichtig,
dass man sich für die Basis-Retusche viel Zeit nimmt und sehr sorgfältig arbeitet.


Bild

Da ich mit der Haut selbst in diesem Bild kaum etwas zu tun hatte, fällt hier am stärksten die "Entschärfung" oder Entfernung der markant sichtbaren
Gesichtsfalten um die Nase und den Mund herum auf. Insbes. die Nasolabialfalten; auch "Lachfalten" genannt. Die sind zumeist recht auffällig und werfen -
vor allem bei dunkelhäutigen Menschen - recht starke Schatten. Falten in den Augenwinkeln neben den Nasenflügeln und Falten im den Mund, das vordere
Kinn und an den seitlichen Kinnlinien wurden ebenfalls entfernt.
Außerdem entferne ich bei der Hautretusche auch fliegende Haare, soweit sie sich auf die Haut selbst verirrt haben. In dem Falle ein paar auf der Stirn,
im Ausschnitt und an der Hand. Fliegenden Haare auf der Kleidung oder solche, die um den Kopf herum abstehen, beseitige ich (je nach Bedarf/Gefallen)
in einem gesonderten Retuscheschritt.

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BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2021, 16:12 
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[Schritt 5] Der sog. "Agentur-Look"

Jetzt wird es kompliziert und aufwändiger.
Dieser sog. "Agentur-Look" zeichnet sich ja dadurch aus, dass die Models eine schon nahezu unglaublich
reine, gleichmäßige Haut habe. Sowohl, was die Struktur, als auch die Färbung angeht. Es sieht fast wie der
sprichtwörtliche "Baby-Popo" aus.

Hierfür muss man sich technisch erklären, wie die Haut in einem Foto "gemacht" ist. Haut hat immer eine
Struktur (Poren, oberflächliche Anomalien und Ungleichheiten) und eine (eher darunterliegende) Farbebene.
Das sind auch bei der echten Haut die tieferliegenden Anomalien. Hautrötungen und -reizungen, Pigmentunterschiede,
Narben, tiefere Pickel usw.

Die obere Struktur der Haut wird rein technisch gesehen eher von S/W-Kontrasten erzeugt. Poren usw. bilden feine Linien,
die i.d.R. schwarz oder sehr dunkel abgebildet werden. Hautrötungen usw. werden natürlich auch in Bild durch entsprechende
Verfärbungen (rot oder braun) wiedergegeben. Das Problem ist, dass, wenn man eine rote Stelle auf der Haut nicht einfach
umfärben kann, weil man damit auch die Farbanteile, die die Struktur abbilden, verändert/zerstört.

Man könnte jetzt versucht sein, größere Hautrötungen weg zu stempeln. Das wird aber kaum gelingen, weil man nirgendwo
an einer andere Stelle des Gesichtes eine Vorlage findet, die genau in der gewünschten Farbe und Struktur existiert, und die
man dann mit dem Stempel kopieren könnte. Man müsste exakt die richtige Größe des Stempels definieren und auch bei einer
sehr weichen Kante, hat es eben eine Kante.

Hinweis: Ich muss offen eingestehen, dass ich da programmtechnisch und mathematisch auch kaum durchblicke, und es so auch
nicht in allen Details genau erklären kann. Man möge meine Ausführungen dazu gerne ergänzen. Ich bin auch begierig, da etwas
besser durchzusteigen. Auf der anderen Seite will ich, wenn ich z.B. eine Computerprogram benutze, eigentlich auch gar nicht
so genau wissen, wie das nun programmiert wird/wurde. Für mich sind das einfach Werkzeuge. Und ich weiß auch nicht genau, wie
eine Handkreissäge innen aussieht und will es auch gar nicht bis ins Detail wissen.

Ich mache mal einen Vergleich:
Man lässt sich ein Auto lackieren. Da wird als Erstes das Blech glattpoliert, dann die Farbschicht in dem gewünschten Farbton aufgetragen,
und dann wird das Ganze mit (mehreren Schichten?) Klarlack überzogen. Wenn man irgend welche Autos (AMG-Mercedes oder ähnliches)
mit einer matten Lackierung sieht, dann wurde da im Prinzip nur der obere Klarlack weggelassen.

Was nun, wenn beim Abschleifen/Polieren des rohen Blechs geschlampt wurde, oder in der Lackiererei beim Auftrag der Farbschicht irgend
welcher Staub und Müll in der Lackierkabine rumgeflogen ist, und sich auf den nassen Lack gesetzt hat, oder sich Bläschen im Farblack
gebildet haben, und dann die Karre final mit dem Klarlack überzogen wurde?

Dann hat der Lack Unebenheiten, Pickel, Popel, möglicherweise auch Farbabweichungen. Kriegt man wie genau wieder weg?
ALLES runterschleifen und neu lackieren. Zumindest immer auch den betroffenen Karosserieteilen zumeist komplett, weil man sonst die
Übergänge sieht. Wäre es da nicht einfacher, man könnte den finalen Klarlack wie eine Folie oben abziehen/abheben, den Mist in der
darunterliegenden Farbschicht korrigieren und dann die "Klarlackfolie" einfach wieder oben drüber ziehen?

Geht beim Auto leider nicht. Bei der Hautretusche aber schon. Indem man rechnerisch die oben liegende Strukturebene von der darunter
liegenden Farbebene trennt, und dann die Korrekturen in der Farbebene vornimmt. ohne dabei die Strukturebene anzufassen. Die Strukturebene
heißt dabei Kontrastebene. Die Farbebene heißt logischerweise Luminanz-Ebene. Das Verfahren nennt sich Luminanz-Equalizer.

Hierbei werden dann die Farbbereiche, die vom gewünschten Ergebnis abweichen, durch Abdunkeln, Aufhellen und vorsichtige Farbkorrekturen
auf einen einheitlichen Look gebracht. Hier gibt es auch verschiedene Arbeitsweisen. Nämlich einerseits das einfache Abdunkeln und Aufhellen,
welches destruktiv wirkt. Daneben gibt es aber auch Methoden, die man "Dodge & Burn" bezeichnet, oder den Weg über sog. "konträre
Einstellungsebenen".

Wie gesagt: Sehr komplex. Und es erfordert ein sehr akkurates Arbeiten. Also nichts für den Knipser, der Schwierigkeiten mit der Langzeitkonzentration,
dem Abfiltern von extern Reizen und der Geduld hat. Also nichts so wirklich für mich. Deshalb habe ich mich in diese Methode(n) bisher auch noch
nicht richtig eingearbeitet.

Es gibt aber zwei weitere Methoden, dei schneller gehen, wenngleich sie auch nicht so akkurat sind. Dieses Weniger an Akkuratesse fällt aber i.d.R.
nur den richtigen Profis auf und tritt auch häufig erst bei höherformatigen Ausdrucken auf. Was wir an Auflösungen und Bildgrößen im Internet präsentiert
bekommen, reicht bei weitem nicht aus, hier feinste Unterschiede sichtbar zu machen. Deshalb kann man sich da auch der etwas einfacheren Verfahren
bedienen.

Ich habe da vor etlichen Jahren mal ein dreistündiges Einzel-Coaching bei einem seinerzeit auch schon recht bekannten Fotografen für einen wirklich unsagbar
günstigen Preis von 99€ genossen. Und ich habe die Investition nie bereut. und bin dem Coach immer noch sehr dankbar. Der Mann heißt übrigens .
Und man kann an seiner Internetpräsenz schon sehen, dass der Mann weiß, was er tut, und wovon er spricht.

Weiter gehts im nächsten Beitrag. :)

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BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2021, 16:39 
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[Schritt 5] Der "Agentur-Look" (Teil 2).

eine wesentlich weniger aufwändige Methode, als der Luminanz-Equalizer (Dodge & Burn),
ist eine Methode, die Boris als "Digitales Fleckensalz" bezeichnet hat, und mit der die oben umrissene Vorgehensweise
deutsch vereinfacht/automatisiert wird. Allerdings eben schon auch auf Kosten der Akkuratesse und des professionellen
Endergebnisses.
Wie gesagt: Für die meisten Präsentationszwecke wird es reichen. In der SedCard eines Models fällt das auch bei Ausdrucken
in 20x30 nicht auf. Auch nicht an der Agenturwand. Und selbst wenn man die Bilder als vollaufgelöste finale Dateien an
die Agentur des Models sendet, habe ich da noch keinen kritischen Kommentar zu gehört. Zumindest nicht bei den
durchschnittlichen deutschen Agenturen.

Ich umreiße die Methode mal kurz, wie im Handout beschrieben:

1) die Eben des letzten Arbeitsschrittes duplizieren. Es muss aber eine komplette Ebene sein.
also keine mit einer Maske oder mit einer verringerten Deckkraft. Zur Not legt man mit Strg+Alt+Ent+E erstmal eine
eben an, auf der die unteren Ebenen zusammengefasst werden.

2)Die Ebenen umbennnen, z.B. in "Fleckensalz".

3) Die Ebene invertieren (Strg+I)

4.: Die Ebene in ein sog. Smart-Objekt konvertieren

5) Den Ebenen-Modus in "Strahlendes Licht" ändern

6) Im Folgenden werden zwei Filter auf diese Ebene angewendet. Da die Ebene jedoch invertiert ist,
wirken diese Filter auch genau umgekehrt, wie im Normalfall der ursprünglichen Funktion.

7) Zunächst wird der sog. "Hochpass-Filter" auf die Ebene angewandt. Dieser, eigentlich Detail- und
Schärfungsfilter wirkt nun genau umgekehrt und entfleckt auf weichzeichnende Weise das Hautbild.
Den passenden Filterwert muss man für jedes Bild individuell finden. Es sollten beim richtigen Wert alle
größeren Farbflecken verschwinden. Wichtig ist dabei, dass im Bild keine roten Flecken/Bereiche zurückbleiben.

8) Jetzt wird der "Gauss'sche Weichzeichner" angewandt, der ja durch seine vorherige Invertierung zum Schärfungsfilter
wird. Dieser schärft das Bild jetzt wieder zurück und bringt die verlorene Hautstruktur wieder zum Vorschein:
Hierbei sollte bei der Eintsellung des Radius-Wertes ausschließlich auf die Porenstruktur geachtet werden. Soe sollte
wieder klar rauskommen, aber auch nicht überschärft dargestellt werden.

9) Das Gesamtergebnis wird nun mit einer schwarzen Ebenenmaske komplett ausgeblendet. Das geht am Schnellsten,
indem man bei gleichzeitig gedrückter ALT-Taste auf das Masken-Symbol in der Ebenenpalette klickt.

Vorsicht: Das ist die Windows-Version. ich weiss nicht. wie das beim Mac ist.

10) Jetzt wählt man das Pisel-Werkzeug mit der benötigten Pinselstärke und einer (reduzierten) Deckkraft und weißer Vorder-
Grundfarbe aus, und übermalt damit die entfleckten Hautbereiche, um sie wieder zum Vorschein zu bringen.

11) WICHTIG:
Nur auf Hautflächen damit malen. Das Übermalen von Kanten sollte peinlichst vermieden werden. Wer wissen, will, was
sonst passiert, probiert es einfach mal aus.


Hier nun mein Ergebnis bei dem Portrait von Anicha:

Bild


So. Und jetzt muss ich mal die Kids aus der Schule und der Kita holen.
Mache später weiter. Ihr könnt ja mal ein Bisschen rumprobieren.

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